7 Wochen mit dem Backpacker durch Ostafrika

Anfang Dezember ging die Reise los. In unserem Projekt wurden die großen Schulferien eingeläutet und wir packten unseren Backpacker für die nächsten Wochen.

Eine 7-wöchige Reise durch Ostafrika stand vor uns: Die Reise führte durch Uganda, Ruanda, Tansania und Kenia.

Von Gulu aus starteten wir zusammen mit Johanna, die uns einige Tage in Obiya Palaro besucht hatte mit dem Bus nach Kampala. Dort trafen wir Josi, Greta (Bistumsfreiwillige in Nakaseke: http://fsj-uganda.blogspot.com/) und Marika (Praktikantin in Nakaseke). Zusammen machten wir uns auf den Weg gen Westen, um ein Projekt in Kooki zu besuchen, wo Johanna die letzten Wochen arbeitete (https://www.tohifu.de/index.php/leitbild/wir-ueber-uns). Leider mussten Josi und Greta uns aufgrund von Visa-Problemen wieder verlassen. Für uns ging die Reise weiter bis an die Grenze zur DR Kongo. Wir machten eine Wanderung entlang mehrerer Kraterseen, schwammen in einem Wasserfall und liefen an unendlich vielen Matooke (Kochbananen)- und Kaffeeplantagen vorbei. Nachdem Josi und Greta wieder dazu stießen wanderten wir gemeinsam mit einem Guide zwei Tage durch das Rwenzori-Gebirge. Dort bot sich uns erneut Ugandas wunderschöne grüne Natur. Geschlafen haben wir in einer kleinen von Einheimischen geführten Unterkunft in den Bergen. Die Unterkunft ist so organisiert gewesen, dass die ganze Community einen Teil dazu beiträgt. Einige bringen Früchte für die Gäste, andere Kassava, Reis, Kräuter, Kaffee o.ä..

Rwenzori-Gebirge
Kratersee

Am 14.Dezember passierten wir mit dem Reisebus die ugandisch-ruandische Grenze. In Kigali konnten wir bei unseren Mitfreiwilligen Larissa und Linda unterkommen.

Einen Tag besuchten das „Genocide Memorial Museum“, eine Gedenk- und Bildungseinrichtung, die an den Völkermord in Ruanda erinnert (https://www.kgm.rw/). 1994 ermordeten Hutu-Milizen innerhalb von 100 Tagen ca. 800.000 Menschen, vor allem aus der Tutsi-Minderheit. Das alles passierte, während der Rest der Welt zusah.

Der Konflikt der beiden Ethnien geht lange in die koloniale Vergangenheit Ruandas zurück. Wahrscheinlich ist, dass es erst deutsche Forscher waren, die um die Jahrhundertwende (Ende 19. Jahrhundert) Ruanda bereisten und aus Hutu und Tutsi Ethnien begründeten. Tutsi waren den damaligen ethnologischen, stark rassistisch geprägten Theorien zufolge Angehörige einer „höher entwickelten“ Bevölkerungsgruppe, die aus dem heutigen Äthiopien eingewandert sei und durch „rassische Merkmale“ besser als die Hutu-Mehrheit für Führungsaufgaben geeignet gewesen sei. Eine konsequent ethnisch orientierte Kolonialpolitik, wie auch die aus Europa mitgebrachte Geschichtsschreibung, die die Unterschiede ethnologisch und historisch zu begründen versuchte, schuf binnen weniger Jahrzehnte bis kurz vor der Unabhängigkeit eine Spaltung der Gesellschaft in eine deklassierte Hutu-Bevölkerungsmehrheit und eine privilegierte Tutsi-Minderheit.

Bereits am 11.Januar.1994 erreichte ein Fax die UNO-Zentrale in New York, in dem Generalmajor Romeo Dallaire (Befehlshaber der UN-Friedensmission) mehrmals um Hilfe bat. Er bekam Informationen aus Ruanda, dass Radikale in der Hutu-Regierungspartei einen Genozid planten. Es wurden schwarze Listen mit Angehörigen der Tutsi Minderheit erstellt und Waffen gehortet. Doch Dallaire bekam von der UNO kein grünes Licht, die Waffenlager der Milizen auszuheben. Ruanda stand alleine da. Drei Monate später geschah das, wovor Dallaire warnte. In der Nacht vom 6. auf den 7. April wurde das Flugzeug des damaligen ruandischen Präsidenten Habyarimana, einem Hutu, in Kigali abgeschossen. Dies bot einer Gruppe von Regime-Hardlinern den bereits ausgearbeiteten Plan zum Massenmord durchzuführen. Wer für den Abschuss des Flugzeuges verantwortlich ist, wurde nie offiziell geklärt. Zurück bleibt ein traumatisiertes Land. Ruanda tut sehr viel, um die Vergangenheit abzuschütteln und nach vorne zu schauen. Es ist eines der saubersten Länder Afrikas, es gibt ein sehr gut ausgebautes Straßennetz, eine stabile Infrastruktur und die Wirtschaft wächst stetig. Auf der Kehrseite der Medaille ist Ruanda heute eine Art Erziehungs- und Entwicklungsdiktatur. Kritische Journalisten und Oppositionspolitiker werden verfolgt und die Meinungsfreiheit wird unterdrückt.

Weitere Informationen zum Genozid in Ruanda:

In Kigali besuchten wir außerdem nochmal das Projekt unserer Mitfreiwilligen. Larissa und Linda arbeiten in einem Center für Menschen mit Beeinträchtigung. Sie helfen im Unterricht, in der Physiotherapie und bei der Nachmittagsgestaltung für die Kinder (http://365-tage-ruanda.blogspot.com/?m).

Am 19. Dezember flogen wir alle zusammen (vier Ugandis und zwei Ruandis) von Kigali nach Daressalam. Wir wussten nicht so recht, was uns erwarten wird, aber die Vorfreude war riesig. Die Vorfreude endlich auch unsere Mitfreiwilligen aus Ghana, Tansania und Südafrika wiederzusehen. Mit ihnen zusammen Weihnachten und Neujahr auf Sansibar zu feiern und dann weiter zum Zwischenseminar nach Bagamoyo zu fahren. Das Abenteuer Tansania konnte starten.

In Daressalaam wurden wir vom Klima zunächst einmal wortwörtlich erschlagen. Es war eine unglaublich drückende Hitze, weswegen wir uns in dieser riesigen Stadt nicht allzu viel bewegten. Nach und nach trudelten unsere Mitfreiwilligen aus Iringa, Sumbawanga (Tansania),  Nsuta/Bolgatanga/ Damongo (Ghana) und aus Nkandla (Südafrika) ein und unsere 21- köpfige Gruppe vervollständigte sich. Gemeinsam verbrachten wir zwei Tage in Daressalaam, wo wir uns auf dem Dach des Holiday Hostels von unseren Abenteuern der letzten sechs Monate berichteten. Mit der Fähre setzten wir am 22. Dezember nach Sansibar über, um dort Weihnachten und Neujahr zu verbringen. Recht erschöpft kamen wir bei unserem Hostel auf Sansibar an und mussten leider erfahren, dass unsere Buchung aufgrund eines Personal- und Managementwechsels gelöscht wurde und somit die gebuchten Zimmer nicht mehr zur Verfügung standen. Nun stellte sich die Frage, wo wir so schnell in der Hauptreisezeit auf einer touristischen Insel wie Sansibar mal eben eine Unterkunft für 21 Leute bekommen?  Die Antwort ist GLÜCK!

Eine Frau, die unser ganzes Schlamassel mitbekommen hat und zufällig auch deutsch sprach hat uns schließlich geholfen. Sie war schon länger auf Sansibar und kannte ein Hostel, in dem sie uns alle unterbringen konnte. Somit hatten wir letztendlich Glück im Unglück und landeten in einem super schönen Hostel mitten in Stonetown auf Sansibar und verbrachten 12 wunderbare Tage dort.

Weihnachten verbrachten wir am Strand. Wir haben zusammen gewichtelt, gegessen und hatten mal ein ganz anderes aber/und gleichzeitig unvergessliches Weihnachtsfest. An Silvester fuhren wir mit einem urigen Schulbus nach Nungwi auf eine der größten Neujahrspartys Sansibars.  

Am 02. Januar machten wir uns auf den Weg nach Bagamoyo zu unserem Zwischenseminar. Das Seminar wurde von Judith Wüllhorst (Seminarleitung), Ankelien, Ann-Sophie, Marco und Benja (alle ehemalige Bistums-Freiwillige) geleitet. Wir reflektierten die letzten Monate in unseren Projekten und formulierten Wünsche und Ziele für das kommende halbe Jahr. Inhaltlich setzten wir uns intensiv mit den Themen Rassismus, Kolonialismus & Privilegien auseinander und warfen einen kritischen Blick auf den Freiwilligendienst im Ausland (aber dazu nochmal ein eigener Blogpost). Zwischendurch war immer viel Zeit für schöne Gespräche mit den Mitfreiwilligen oder auch unseren Teamern. Wir tauschten unsere Erfahrungen aus und gaben uns Tipps für die kommende Zeit. Ein Karaoke Abend in der lokalen Bar durfte natürlich auch nicht fehlen. Genauso wenig wie tausende Runden „Wizard“ und „lügen und betrügen“ (Kartenspiele).

Motiviert und mit vielen neuen Denkanstößen ging es für alle nochmal eine Nacht ins Holiday Hostel. Dort verabschiedeten wir uns dann schweren Herzens von unseren Mitfreiwilligen und unseren Teamern. Jedoch nicht von allen. Gemeinsam mit unseren Mitfreiwilligenaus Uganda, Ruanda und Südafrika machten wir uns auf eine 10 stündige Busfahrt nach Iringa, um dort das Projekt unserer Mitfreiwilligen Lennart, Felix, Femke und Leonie zu Besuchen (https://welcometoiringa.wordpress.com/). Das sollte auch nicht die letzte längere Busfahrt auf dem Weg zurück bis nach Gulu werden.

Wir besuchten den Main Campus der St.Dominic Savio School, wo Lennart und Leonie als Sport und IT Lehrer tätig sind. Felix arbeitet an der St.Dominic in Kigonzile (etwas außerhalb von Iringa), wo die vier auch wohnen. Femke arbeitet im Matumaini Center in Iringa. Dies ist eine Ausbildungsstätte für Frauen aus schwierigen Lebensverhältnissen, die zu Schneiderinnen ausgebildet werden.  Zudem gibt es einen Day Care für Kleinkinder und eine Nursery School, wo Femke zwei Klassen unterrichtet.

Unsere Mitfreiwilligen haben uns außerdem durch Iringa geführt und wir konnten einige Stammlokale der Iringis zum Essen und Feiern gehen kennenlernen. Sehr beliebt ist Chipsy Mayai (Pommes mit Omelette).

Nach ein paar Tagen in Iringa fuhren wir 14 Stunden mit dem Bus weiter in den Norden von Tansania nach Moshi zum Kilimanjaro. Wir genossen die Aussicht von unserem Hostel auf den Kilimanjaro, wanderten zu den Materuni Wasserfällen und sprangen in Hot Springs.

Materuni-Wasserfall
Hot Springs

Nach drei Tagen in Moshi verließen wir Tansania und es ging weiter mit dem Bus nach Nairobi. Die Ruandis und die Südafrikaner reisten weiter Richtung Kigali.

Wir hatten eine sehr erlebnisreiche und aufregende  Zeit in Tansania und haben jetzt sogar ein paar Wörtchen Kiswahili drauf.

In Nairobi bekamen wir eine Stadtführung von einer Kenianerin (die Josi in Kampala kennengelernt hatte) und besuchten das David Sheldrick Elefantenwaisenhaus. Zudem machten wir eine kleine Wanderung in den „Ngong Hills“ (wo uns viele professionelle Marathonläufer über den Weg liefen, die dort zwischen den Hügeln ihr Training absolvierten).

Von Nairobi ging es dann nach 7 Wochen endlich wieder zurück nach Hause nach Gulu. Wir sind sehr froh nach so einer langen Zeit wieder zurück in Obiya Palaro zu sein.

Asante Sana (Vielen Dank auf Kiswahili) für´s Lesen.

Bis Bald

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.